Die unendlichen Geschichten einer unendlichen Welt.
  Startseite
    Tagebuch der Zwillinge
    Dae's Tagebuch
    Rhys' Tagebuch
    Lanthalon's Tagebuch
  Wir über uns
  Die Welt
  Dae Lyr Hyaddan
  Lanthalon Forthing
  Sariri Teran
  Aleena Freiwind
  Rhys Karath
  Die Zwillinge
  Gästebuch
  Kontakt

   Weitere Geschichten
   Die Sturmklingen

Webnews



http://myblog.de/sturmklingen

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

 

Name: Yaiiri "Daemon" Rabenwind

Raien Silberschwinge

Alter: beide 18

Rasse: Mensch

Klasse: Hexe / Paladin

Herkunft: nicht bekannt

Berufung: ehemalige Dienerin des roten Mondes

Ritter

 

Der Anfang - Wie alles begann:

Sie lächelte. Sie lächelte! Lisna strahlte. Das kleine Mädchen lächelte endlich wieder! Seid Tagen hatte sie nicht mehr gelächelt…sie überhaupt Atmen zu sehen hatte ein erleichtertes Gefühl hinterlassen. Die Gnomin lehnte sich gegen das alte Holz der Tür und ihr tiefes Seufzen löste bei ihrem Gegenüber ein heftiges Zucken aus.

Verdammt! „He Kleine ich hab’ hier was zuess’n.“ Das kleine Tablett in der linken Hand balanciert betrat Lisna eilig das kleine Zimmer. Es war nicht das schönste ihrer Zimmer, aber es war eines, das am wenigsten an das erinnerte, was Frauen normalerweise hier drin zutun pflegten. Die blassrote Farbe an den Wänden, die weichen, ebenfalls blassrot gefärbten Pelze auf dem knarrenden Boden und die roten Tücher und Stoffe die über dem breiten Bett und dem kleinen Tisch mit den Stühlen geschlungen waren machten nicht gerade den Eindruck als handelte es sich hier um ein Kinderzimmer.

Und dennoch lag in eben diesem Bett vor ihr ein junges Mädchen, vielleicht nicht mehr jung genug um Kind genannt zu werden, dennoch noch nicht soweit sich Frau zu nennen.

Lisna setzte ihr mütterliches, fürsorgliches Lächeln auf und stellte da Tablett auf den kleinen Nachttisch. Das verschreckte, hin und her huschende Augenpaar und das dazugehörende, im letzten Winkel des Bettes hockende Mädchen beachtete sie gar nicht.

„Iss’ das hier auf, wird dir gut tun.“

Sie sah mehr einem verschreckten Reh als einem Menschen ähnlich. Ihre großen, weit aufgerissenen Augen schienen die Gnomin in aller Eile nach „verdächtigen“ Utensilien abzusuchen, während der Körper unter der bleichen Haut zu zittern begann.

Hinter diesem Zustand steckt ein wunderschönes, junges Mädchen. Dachte Lisna und ließ einen fachmännischen Blick über das hellhäutige Mädchen gleiten.

Das hellsilberne Haar ließe sich hübsch frisieren, und ein dezentes Make-up würde die mandelförmigen, herrlich leuchtenden Augen noch hervorheben. Sie würde ein gutes, und ein beliebtes Mädchen werden. Und den richtigen Hintergrund für ein professionelles Gewerbe hatte sie auch.

Lisna hatte nicht bemerkt wie sie sich auf das Mädchen zu bewegt hatte, doch als sie blinzelte Stand sie schon hinter dem Mädchen und die für eine Gnomin schlanken Finger glitten durch das seidige, hellsilberne Haar.

Sie könnte ihr altes Zimmer wiederherrichten lassen. Eine neue Farbe müsste es sein, denn das rot war mittlerweile verblasst und die Tücher rochen seltsam. Und sie könnte sich um die Kleine kümmern, die offensichtlich ziemlich verstört war.

„Hör zu Kleines, iss’ das jetzt auf, dann mach’ ich dir ’ne schöne heiße Wanne fertig.“ Lisna ließ das lange Haar los und ging zurück zur Tür. Der Gang der Gnomin war keineswegs unbeholfen, er war immer noch geübt elegant und die Spur Einladung in ihrem Hüftschwung war noch nicht ganz verflogen.

Sie schloss die Tür leise hinter sich und blickte über den Flur zu den anderen Zimmern. An vier der acht Türen hingen kleine Zettel, die anzeigten dass es besetzt und mit einem Zauber für die Geräuschsdämpfung belegt waren.

Lisna lächelte zufrieden. Das Geschäft lief heute gut, und unten in der Küche würde es bald herrlich nach einigen leichten Speisen duften, die sich wunderbar nach einer anstrengenden Tätigkeit verköstigen ließen.

Ihr letzter Gedanke ging zurück zu den beiden umherhuschenden Augen, von dem das eine ein weiches braun, das andere ein saphirfarbenes Leuchten zeigte.

Mal sehen was ich aus ihr machen kann, und wieweit man sie überhaupt noch retten kann.

 

 

 

 

 

 

Der spitze Schrei, gefolgt von einem hellen Lachen ließ Lisna von ihrem Strickzeug aufblicken. Yaiiri saß in einer Ecke der großen Wohnküche, in einer Hand hatte sie einen Kohlestift und auf ihrem Schoß ruhte ein Block mit gebleichtem Pergament, den sie zu ihrem 18. Geburtstag von Lisna bekommen hatte.

Schon wieder dieses Lachen. Lisna schüttelte leicht den Kopf und beugte sich wieder über ihren halbfertigen Strickpullover. Schon seid Tagen murmelte sie immer wieder vor sich hin, lachte in unergründlichen Situationen und schien jemanden neben sich zu sehen, den kein anderer dort sah.

„Quatsch.“ ,sagte Lisna laut und wurde sich erst eine Sekunde später bewusst darüber. Eilig sah sie zu Yaiiri hinüber, die sie neugierig aus zwei unterschiedlichen Augen anblickte.

„Was ist Quatsch?“ Yaiiri hatte eine helle Stimme, welche leicht in ein verführerisches, dunkleres Timbre umschlagen konnte.

„Ah, ich musste gerade nur daran denken dass der blonde Herr schon wieder nach dir gefragt hat.“ Die Gnomin grinste, und von ihrem Gegenüber erntete sie ein kindisches Kichern. Lisna widmete der jungen Frau einen ernsten Blick.

„Das ist mein ernst. Er hat mich gebeten alle Termine die bei dir möglich sind zu reservieren.“ Lisna entfuhr ein Schnauben. „Als ob er das bezahlen könnte. Du solltest aufhören mit den kleinen Jungen zu spielen.“

Empört schnaufte Yaiiri, bei ihr klang es jedoch eher niedlich als warnend.

„Ich spiele nicht mit ihm! Ich war lediglich freundlich zu ihm…“

„Du hast mit ihm gespielt. Und er hat sich Hals über Kopf in die verliebt.“, schnaubte Lisna.

Innerlich musste sie dennoch zufrieden grinsen.

Yaiiri war eine hübsche junge Frau geworden. Sie war um einiges gewachsen, das silberblonde Haar reichte ihr bereits bis zum Po hinab und war gepflegt, ebenso wie ihre immer noch blasse Haut, die ihr ein fast puppenartiges Aussehen verlieh. Ihre Bewegungen waren durch viele Übungen geschmeidig und elegant geworden, stets etwas leichtes, Verführerisches im Gang. Die Unschuld die ihr aber seid jeher anhaftete konnte sie nie völlig abschütteln. Doch gerade das erweckte das Interesse der Männer, die Lisnas Haus des roten Mondes betraten oder von ihren Mädchen hereingeholt wurden.

„Oh wirklich? Hat er das zu dir gesagt?“

„Was?“ , fragte die Gnomin unschuldig.

„Ob er in mich verliebt ist natürlich!“ Yaiiri tat empört und stürzte auf den Stuhl ihrer Freundin zu.

„Yaii! Du hast den armen Kerl fast zur Verzweiflung getrieben, immerhin weiß er das er sich keinen von uns hier leisten kann.“

Lisna kicherte. Es gab kaum Männer die sich dies hier oft leisten konnten, ausser sie besaßen viel Reichtum oder ein hohes Ansehen.

„Es hat mich interessiert ob ich es schaffe.“, räumte Yaiiri ein.

„Natürlich schaffst du es Männer anzuziehen, wie ein Stück Käse die Tunnelratten.“ Sie schenkte Yaiiri ein Lächelnd und strich ihr über die weichen Haare.

„Vielleicht wird es langsam Zeit für dich auch ein Zimmer zu bekommen. Wenn du möchtest.“

In Yaiiris Blick mischte sich kurzzeitig der selten geworden ängstliche Ausdruck, der jedoch schnell von wachsendem Interesse gedeckt wurde.

„Du bist nun schon fast ein Jahr bei uns“ ,fuhr Lisna fort. „Und ich denke wenn du möchtest kann ich dir dein Zimmer etwas hübscher machen lassen. Dann wird es den Männern sicher gefallen.“

Yaiiri legte den Kopf leicht schief und blickte kurz zur Seite, bevor sie sich wieder der Gnomin zuwandte und langsam nickte.

„Das wäre keine schlechte Idee.“ ,stimmte sie zu.

„Du weißt dass es nichts Schlimmes ist, immerhin kennst du die anderen Mädchen und hast viele ihrer Erzählungen gehört.“

„Es ist in Ordnung Lisna. Du kannst alles arrangieren.“ Yaiiri lächelte dünn, ein Ausdruck den sie nur selten in einsamen Momenten auflegte und der eine gewisse Distanz schaffte. Lisna reagierte automatisch und nickte knapp, schob sich und ihr Strickzeug von ihrem kleinen Sessel und machte sich auf den Weg zum Herd.

„Ich werde dir einen netten Herrn für deine erste Nacht aussuchen. Ich sage dir dann bescheid.“

Yaiiri erhob sich und nickte, ein kurzer Blick galt der leeren Ecke, ein weiterer Lisna, dann verschwand sie die Treppen hinauf in ihr Zimmer.

Ab und zu ist sie ein seltsames Mädchen, aber das war sie wohl schon immer, dachte Lisna, während sie das Strickzeug beiseite legte und mithilfe eines Löffels und ein wenig Kunst rührte sie in einem großen Topf dampfender Suppe.

Sie seufzte. Yaiiri würde einen weichen, rücksichtsvollen Mann benötigen, um sich einzuleben und auszuprobieren. Einen erfahrenen Mann also, der ihr gegebenenfalls Ideen schenken und ihr helfen konnte. Lisna ließ den Löffel nachdenklich kreisen. Vielleicht sollte sie ihn wirklich bitten, auch wenn er noch nie als Besucher in das Haus des roten Mondes gekommen war, sondern stets als Freund des Hauses. Er war zuvorkommend, rücksichtsvoll und erfahren genug um es Yaiiri so einfach wie möglich zu machen. Und er sah gut aus, das würde das junge Mädchen bestärken. Lisna nickte und grinste. Sie würde ihm gleich nachher einen Brief schicken.

 

Yaiiri blickte sich in ihrem neuen Zimmer um. Es war recht hübsch, keine aufdringlich roten oder rosa Tücher, sondern ausschließlich weiße und hellblaue Tücher aus weichem Stoff. Sie lächelte zufrieden und begann ihr langes Haar zu einem Zopf zu flechten.

Heute Abend würde er kommen – ihr erster Mann. Und sie hatte sich vorgenommen ihm professionell einen wunderschönen Abend zu bereiten, von dem er noch lange träumen würde. Dann würde sie auch einmal etwas zu erzählen haben, wenn die Mädchen des Hauses des roten Mondes am großen Eichentisch saßen, wild durcheinander schwatzten und von ihren Männern erzählten. Sie ließ sich in einen der wundervoll weichen Sessel fallen, die von hellblauem Stoff umhüllt waren. Ihr Blick glitt zu dem kleinen Geschöpf auf dem Sessel ihr gegenüber. Der Anblick des schlanken Sukkubus erschreckte Yaiiri keineswegs. Es war keine Seltenheit Sarynn gelassen und in ihrer versteinerten Position zu sehen. Auch die dämonische Sprache ging Yaiiri leicht von den Lippen als sie ansetzte etwas zu sagen.

„Du musst nachher verschwinden, ich bekomme Besuch.“ Ihr Lächeln wirkte arrogant und träge, etwas das sie bis in ihr späteres Leben beibehalten sollte.

„Besssuch?“, flötete der Sukubus im verführerisch rauen Timbre das sie ständig begleitete. „Dann issst ess endlich soweit? Meinssst du du hassst genug geübt?“

Die Sukubus lächelte verführerisch, und entblößte dabei ihre spitzen Eckzähne. Ob sie auch anders Lächeln konnte? Mochte es ein Fluch sein Begierde auszulösen egal wo man war?

Yaiiri nickte, plötzlich ein Spur der alten Unsicherheit in ihren Augen.

„Ich bin doch bereit…oder?“

„Kleinesss du bissst berrrreit, glaub mirrr.“, schnurrte der Dämon und schenkte ihr ein seltenes glitzern der ansonst kalten Augen.

„Ich hoffe es…Lisna hat alles arrangiert.“

„Die Gnomin kennt sssich ausss.“

„Ja…Ja, Lisna weiß schon was sie tut.“

Als Yaiiri sich umdrehte war der Sukkubus bereits verschwunden. Sie seufzte und schob sich aus dem Sessel. Während sie sich ein langes, weißes Seidenhemd überstreifte und noch einmal ihr dezentes Make-up überprüfte ging sie in Gedanken noch einige Ideen durch, die sie heute Abend zur Anwendung bringen wollte. Heute sollte ein besonderer Abend werden.

Er betrat langsam das alte Fachwerkhaus, das sie ihm  seid seiner wilden Jugend schon bekannt war. Das Haus des roten Mondes, das von seiner guten Freundin Lisna Harlekin geführt wurde. Früher war er öfter hierher gekommen, um Rat zu bekommen oder einfach die freie Gesellschaft der Damen zu genießen, die Lisna liebevoll „ihre Mädchen“ nannte. Er hatte ihre Dienste nie in Anspruch genommen, da er für solch eine Liebe nicht viel übrig hatte – er verachtete sie jedoch nicht für das was sie taten. Die Mädchen in Lisnas Haus waren stets an den Fingern abzuzählen und gut ausgewählt. Sie waren hübsch, aber behielten immer ihre eigene Note bei, die sie zu einzigartigen Mädchen machten.

Lisna trat eilig aus der Küche und ein breites Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

„Guten Abend, Lisna.“ Der Mann beugte sich hinab, um die Gnomin kurz zu umarmen.

„Ich habe schon auf dich gewartet.“

Sie lächelte nun und löste sich aus den starken Männerarmen.

„Wie geht es dir, alles in Ordnung?“, fragte sie und machte einen Schritt zurück, um ihn besser mustern zu können.

„Ich komme zurecht.“ Ein höfliches Lächeln begleitete die kurze Antwort des Mannes, weiteres schien er nicht hinzufügen zu wollen.

Lisna jedoch schien das nicht weiter zu stören.

„Sie ist oben und wartet bereits. Sie wird dir gefallen, ein wunderschönes Mädchen, intelligent, klug und sehr geschickt. Sie ist etwas ganz besonderes.“, schwärmte Lisna.

Der Mann fuhr sich mit den Fingern durch das schwarze Haar. Bevor er sich aufrichten konnte, hatte Lisna ihm eine Hand auf seinen Arm gelegt. Er beugte sich zu ihr hin.

„Sie ist wie eine Mondblüte, auf den höchsten Ästen der ältesten Bäume…versuch ihre Blätter zu schonen.“, flüsterte sie ernst.

Als er sich nun wieder aufrichtete lächelt er sanft und nickte.

„Ich werde auf sie acht geben.“

„Ich vertraue dir.“, antwortete Lisna mit einem Nicken.

Der Mann wandte sich zur Treppe.

„Geh lieber hoch, sie wird sehr aufgeregt sein.“

Und so befolgte er diesen Rat lieber, und ging langsam die Treppe hinauf.

 

Yaiiri hörte das sachte Klopfen und erzitterte. Ihr Blick ging zu dem Sukkubus, der auf einer Sessellehne saß.

„Einen Moment nocht“, rief sie eilig und zischte ein „Verschwinde!“ in die Richtung des Dämons. Dieser erhob sich mit unermüdlicher Ruhe und strich Yaiiri kurz über das seidige Haar, dann verschwand er.

Das Mädchen erhob leicht die Stimme. „Ja, bitte.“

Die Tür öffnete sich langsam, und herein trat ein Mann, der Yaiiri ungemein bekannt vorkam.

Trotz ihrer Überraschung hatte Yaiiri nicht den ersten Eindruck vergessen. Sie senkte kaum merklich den Kopf, um ihn dann langsam anzuheben. Ein zaghaftes Lächeln lag auf ihren Lippen, als sie langsam die Augen öffnete und ihn ansah.

Er trat ein und schloss die Tür leise hinter sich.

„Setzt Euch doch.“ Yaiiri deutete auf einen der Sessel. „Möchtet ihr etwas Tee?“

„Danke.“ Er setzte sich langsam und schien sie zu kurz zu mustern, dann jedoch wandte er sich dem Feuer zu, das im Kamin leise knisterte.

Yaiiri goss Tee in zwei Tassen, während sie den Mann neugierig ansah.

Er sah gut aus. Groß, schlank und muskulös. Er musste ein guter Kämpfer sein. Das schwarze Haar war leicht zerzaust, das Gesicht von einem leichten Lächeln durchzogen und umrahmt von kleinen Grübchen, die ihn interessant aussehen ließen.

Yaiiri neigte den Kopf nachdenklich zur Seite.

Er kam ihr bekannt vor, und doch war sie sich sicher ihn noch nie hier gesehen zu haben.

 

Yaiiri hob die Tassen an und trug sie hinüber. Mit einem Lächeln ließ sie sich auf der Lehne des Sessels nieder, den der Mann ausgewählt hatte.

Sie reichte ihm seine Tasse.

„Vielen Dank.“ Er lächelte zu ihr hoch, und es schien ihm überhaupt nichts auszumachen, das sie so nahe bei ihm saß. Er blieb ruhig und höflich, fast zeigte er keinerlei Gefühlregung.

Sie nippte an ihrem Tee und ließ ihre freie Hand in seinen Nacken wandern. Kein ungestümer Gefühlsausbruch – Nichts.

Yaiiri war erstaunt, er schien sie nicht im geringsten bedrängen zu wollen.

Ein verständnisvolles Lächeln blickte ihr entgegen.

„Ich habe vor einen schönen Abend zu verbringen. Wir haben Zeit.“, beantwortete er ihren erstaunten Blick.

Yaiiri trank nervös einen Schluck Tee und nickte.

„Ihr wollt es lieber hinter Euch bringen, wie?“

Er schmunzelte und zog sie sacht von der Lehne auf seinen Schoß.

Yaiiri blinzelte ihn ertappt an.

„Es ist nicht verkehrt das zu wollen. Immerhin seid Ihr nervös, das ist völlig normal.“

„Aber..“ Yaiiri´s Stimme zitterte. „Ich sollte Euch doch…“

Er schüttelte den Kopf, nahm ihr sanft ihre Tasse aus der Hand und stelle sie, zusammen mit seiner eigenen, auf den kleinen Tisch.

„Heute nutzt Ihr meine Dienste als Mann.“

 

 

                                 ----------------

 

Raien ließ ihren Körper geschmeidig auf die hellen Laken des Bettes gleiten, ohne die Lippen von ihrer dunkelbraunen Haut zu nehmen.

Seine rechte Hand lag in ihrem Nacken, die andere wanderte von ihrem Rücken hinauf, wo die schlanken Finger des Mannes routiniert das Kleid geöffnet hatten, um es nun von ihren Schultern zu streichen.

Er ließ seine Lippen über ihren Hals gleiten und saugte zärtlich an ihrer Haut, dann richtete er sich mit erschreckend kühlen Augen auf.

„Das hier wird nicht weitergehen.“, sagte er ruhig.

Die Frau unter ihm blickte verwirrt durch ihre lavendelfarbenen Augen zu ihm hoch, anscheinend war sie nicht mehr in der Lage seinen Worten zu folgen.

Raien beugte sich hinab und schenkte ihr einen leidenschaftlichen Kuss, der sie dazu brachte ihre Beine um seinen Körper zu schlingen und ahnungslos zu Nicken. Verstanden hatte sie seinen Satz eindeutig nicht, das wusste Raien, aber er hatte es gesagt und das reichte.

Es zumindest zu erwähnen reichte völlig.



Es war noch früh und die Sonne kroch langsam durch die schweren Vorhänge, als der große, muskulöse Mann sich bereits seine Sachen zusammensuchte und begann sich anzuziehen.

Unter einigen weißen Laken lag die dunkelhäutige Frau, die sich nun regte und unter ihrem wirren, schwarzen Haar blinzelte.

Raien knöpfte sich die Hose zu ohne ihr seinen Blick zuzuwenden.

„Was...wird das?“, fragte sie verschlafen.

„Ich gehe.“ Seine Stimme klang unbeeindruckt und er zog sich seine Schuhe an.

„Es ist noch so früh...musst du arbeiten?“ Sie richtete sich auf, rutschte an ihn heran und legte ihre Arme um seine Schultern.

„Bleib doch noch hier...wir können noch etwas Spaß haben.“, schnurrte sie in sein Ohr.

Raien stand auf, sammelte sein Hemd ein und zog es ebenfalls über, dann wandte er sich um.

„Ich sagte dir das es nicht weitergehen wird.“

„Aber...“

„Nichts aber. Es war schön, und dabei bleibt es.“

Seine verschiedenfarbigen Augen schimmerten kühl, und die Frau blieb regungslos liegen. Sie suchte nach Worten um ihn zum bleiben zu überzeugen.

„Ich dachte wir könnten wenigstens zusammen frühstücken. Oder nachher vielleicht zum See fahren und schwimmen!“ Sie bemühte sich begeistert zu klingen, doch ihre Freude wurde durch seinen Blick abgeblockt, der abschätzend und fast mitleidig auf ihr lag. Plötzlich fühlte sie sich ziemlich dämlich und naiv. Mit einem unwirrschen Geräusch warf sie sich zurück in die Kissen.

„Leb wohl.“ Das war das letzte das sie von dem gut aussehenden Mann hörte, bevor er seinen Umhang über warf und den Raum des Gasthauses verließ.

Sie seufzte schwer und drückte ihr Gesicht in das Kissen.

Sie hatte geglaubt ihn zumindest für einige Wochen halten zu können, doch Raien Silberschwinge war sich treu. Noch keine Frau hatte ihn länger als einige Tage beanspruchen können, geschweige denn ihm ein Zugeständnis ihrer Beziehung zu entlocken.

Der Paladin war eine begehrte Trophäe, doch was brachte es wenn man ihn nicht haben konnte?

Es gab nur eine einzige Frau die Raien niemals verlassen würde...



Raien schritt über die Brücke in Richtung des Handelsviertels von Sturmwind und gähnte herzhaft.

„Schon wieder die ganze Nacht unterwegs gewesen, mein Lieber?“

Er musste Schmunzeln, als sich ein blasses Paar Arme um seine Hüfte legten und er spürte wie sich jemand gegen seinen Rücken lehnte.

Raien drehte sich um, obwohl er bereits wusste wer es war. Der Paladin strich mit einer liebevollen Geste ein paar der silberblonden Haarsträhnen des Mädchens zurück.

Vermutlich ist dies der einzige Mensch, dem er solch aufrichtige Gefühle entgegenbringen konnte.


Er riss sich aus seinen Gedanken und bemerkte den neugierigen Blick seiner Zwillingsschwester.

„Aye, das weißt du doch. Aber jetzt bin ich fertig.“

Yaiiri, oder besser Yaii wie er sie nannte, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste seine Wange, dann setzte sie ein spitzbübisches Lächeln auf und ihre ebenfalls verschiedenfarbigen Augen glänzten.

„Du riechst noch nach ihr, also geh baden.“

Raien knurrte gespielt unwillig, dann nickt er aber.

„Schon dabei, Kleine.“ Er tippte ihr mit dem Zeigefinger auf die Nase und löste sich von Yaiiri.

„Wir sehen uns nachher zu hause.“, sagte sie mit ihrer hohen, klaren Stimme und wandte sich zum gehen. „Verspäte dich nicht.“

„Keine Sorge.“, rief er ihr hinterher und nahm seinen Weg nach Goldhain auf, wo er und Yairii ein Haus besaßen.


Die Zwillinge hatten eine besondere Beziehung zueinander, in der sie sich vieles anvertrauten und sogar zusammen wohnten.

Sie waren bis zu ihrem vierzehnten Lebensjahr zusammen aufgewachsen, als die Geißel den Hof ihrer Eltern überfallen und ihn bis auf die Grundmauern niedergebrannt hatten. Sie hatten damals in Süderstade gelebt, doch das Schicksal hatte sie entzwei gerissen. Während ihre Eltern in dem großen Feuer oder auch durch die Untoten umgekommen waren, hatte Raien es geschafft die bewusstlose Yaiiri aus ihrem Zimmer zu retten. Durch den Rauch geschwächt hatte er sie ein paar Meter weiter in der Nähe des kleinen Teiches versteckt und war dann so schnell er konnte zum Dorf gerannt, um Hilfe zu holen.

Süderstade jedoch war selbst in großer Not gewesen. Die Untoten hatten die Höfe rund um das größere Dorf angegriffen und waren nun bis zum Dorf selbst vorgerückt und bedrängten es. Die Bauern und Dorfbewohner hatten sich mit allen möglichen Waffen versammelt und kämpften um ihr Leben.

Raien hatte bis heute Alpträume, in denen er diese Nacht immer wieder und wieder durchlebte.



Schneller....schneller...Er keuchte und seine Lungen schienen bersten zu wollen.

Hunger...!“, krächzte es und Raien warf sich instinktiv nach vorn. Sein Kinn schlug hart auf einem Stein auf und pochender Schmerz machte sich in seinem Kiefer breit. Doch er hatte keine Zeit. Er rollte sich nach rechts, sprang auf die Beine – schon sauste verrosteter Stahl auf ihn nieder. Er parierte mit seinem Schwert so gut er konnte und spürte wie ihn die gewaltige Kraft des Untoten Angreifers in den Boden stieß. Schreie....von überall her kamen Schreie. Wimmern. Das weinen der Dorfkinder. Flehen. Das betteln der Mütter um erbarmen. Der Geruch von Blut lag in der Luft.

Raien schrie ebenfalls. Er würde jetzt sterben. Er war am Ende seiner Kräfte. Keuchend wollte er der Last nachgeben. Er sah empor. Das schrecklich entstellte Gesicht in das er sah ließ Panik in ihm hoch steigen. „Es“ sabberte...lechzte...gierte nach seinem Fleisch...seinem Leben.

Angewidert sah er weg. Er wollte nicht durch so etwas sterben. Durch die Hand dieses verfluchten Geschöpfs misslungener Nekromantie.

Hunger....“, krächzte die Kreatur erneut.

Töte mich endlich...töte mich und es ist vorbei...

Er flehte um den Tod; um die Erlösung vergessen zu können.

Doch dann...

Ihr Gesicht. Ihr silberblondes Haar wirr über das rauchgeschwärzte Gesicht gefegt. Die Augen hilflos geschlossen.

Yaiiri...Yaii...YAIIRI!

Sein Lebensgeist erwachte und mit ungeahnter Kraft schlug er sein Schwert gegen das knochige Knie des Untoten. Ein Knacken verkündete den Bruch der Kniescheibe und der Krieger stürzte seitlich zu Boden. Er wimmerte nicht.

Raien krabbelte eilig von ihm fort, ignorierte den Blutgeschmack in seinem Mund.

Yaiiri...ich muss zu Yaii!

Er sprang auf die Füße, griff zu seinem Schwert und rannte...

Er brauchte länger um die Stelle zu erreichen, an der er seine Zwillingsschwester bewusstlos zurückgelassen hatte, um Hilfe zu holen.

Hastig und immer noch gepeinigt von Angst, schob er das Geäst eines niedrigen Baumes zur Seite.


Sie war nicht da...

Sie war nicht da...

Sie war nicht da...




Raien erwachte mit einem erstickten Schrei.

Raien? Raien! Wach auf verdam-...“ Yaiiri hockte auf seinem Schoß, nur wenige Zentimeter trennten ihr Gesicht von seinem. Sie sah ihn besorgt an und strich immer wieder mit ihren Fingerspitzen über seine Wange.

Raien...Raien...es ist nur der Traum...“

Er blinzelte irritiert und schob sie fort.

Wo...? Yaii was tust du hier...?“

Wir haben uns verabredet...du bist wohl eingeschlafen..du hast...wieder geträumt.“

Sie hockte nun neben ihm auf dem breiten Bett seines Zimmers. Die junge Frau strich ihrem Bruder zärtlich durch seine Haare, die in ihrer Farbe das genaue Ebenbild von ihren waren.

Sie sah in seine Augen, und erblickte sich selbst in einem Spiegel, hinter den sie nicht schauen konnte.

Raien sprach nie über diesen Traum, den er sooft immer und immer wieder, Nacht für Nacht durchwanderte und nicht verlassen konnte.

Ihr besorgter Blick ließ nicht nach, und Raien stieß ihre Hand weg.

Lass das.“

Es gab vieles das sich die Zwillinge ohne zu Zögern anvertrauten, das meiste was sich in ihrem Leben abspielte teilten sie, sogar ihre Gedanken schienen ab und an den selben Weg zu laufen.

Jetzt jedoch spiegelten Raien's Augen jene dunkle Abwehr wieder, die Yaiiri so Angst machte:

Angst davor, von ihm abgestoßen zu werden. Angst davor, ihren einzigen Lebensinhalt zu verlieren.

Raien

 

 

Der junge Mann spürte die Angst seiner Schwester und bereute sofort seine abwehrende Haltung. Er streckte seine Hände aus, zog den zierlichen Frauenkörper zu sich heran und umarmte sie. Er liebte sie, wie nichts anderes auf der Welt. Sie war seine Familie, das letzte was ihm geblieben war, und er würde sie beschützen mit allem was er hatte.

Sein Griff wurde unbemerkt fester.

Er hatte sie damals, nach dem Unglück das Süderstadte und die umliegenden Höfe heimgesucht hatte, nicht wieder gefunden.

Erst vier Jahre später hatte er erfahren, das Flüchtlinge Yaiiri gefunden und mitgenommen hatten, um ihr das schreckliche Schicksal zu ersparen als Leichenschmaus zu enden.

Sie hatte in der Umgebung Sturmwinds Unterschlupf gefunden, bei einer Gnomin die ein Haus des roten Mondes in Goldhain führte, dasselbe Haus, das sie Yaiiri vermacht hatte und indem sie nun wohnten.

Raien wusste alles von dieser Zeit. Er wusste das seine Schwester durch den Schock einen Teil ihres Gedächtnisses verloren hatte und dadurch an das Haus gebunden gewesen war. Auch wenn er es nicht wahr haben wollte, Yaiiri hatte ihm anvertraut das sie als Mädchen später dort gearbeitet hatte. Eineinhalb Jahre lang, bis vor einem knappen Jahr Raien in ihr Leben getreten war.

Der Paladin hatte lange in den östlichen Königreichen und besonders in der Umgebung ihrer Heimat nach Yaiiri und seiner Familie gesucht. Er hatte sie nicht nur gesucht, er hatte mithilfe einiger Paladine die ebenfalls auf der Jagd waren, eine Gruppe gebildet und systematisch diese scheußlichen Untoten vernichtet.

Trotz seines jungen Alters und der wenigen Erfahrung, hatten sie ihn gedrängt nach Sturmwind zu reisen und seine Ausbildung als Paladin anzutreten. Sie hatten ihm erzählt er könne dadurch eine größere Kraft erreichen, um seine Wünsche und Ziele zu verfolgen. Und um diejenige zu finden nach der er sich so sehnte. Yaiiri.

Raien hatte ihnen geglaubt und war mit dem festen Willen, die Untotetn zu vernichten und seine Schwester zur retten, in die Hauptstadt der Menschen gereist und sich dort dem Orden der Paladine angeschlossen. Kurz darauf hatte er auch erste Hinweise zu Yaiiri's Aufenthaltsort bekommen.

Das war jetzt ein Jahr her. Ein Jahr, indem Raien seiner Schwester ihre verlorenen Erinnerungen in langen Erzählungen über ihre Kindheit zurückgebracht hatte.

Fast alle Erinnerungen.

Bewusst hatte er die verlorenen Bilder ihrer Eltern ausgelassen, den Überfall, den grausamen Tod und die Vernichtung ihrer Kindheit.

Und noch etwas fehlte gänzlich in Yaiiri's Erinnerung.

Das Bild ihrer Schwester, die als Drilling mit den beiden geboren worden war. Diejenige, die Raien nicht hatte aus dem Feuer retten können, ebenso wenig wie seine Eltern. Das letzte Teil in diesem dreiteiligen Puzzle hatte Raien für sich behalten, um Yaiiri das Gefühl zu ersparen, ein Teil von ihr würde fehlen. Das Gefühl, das sich oft in Raien's Brust breit machte und ihm die Luft abschnürte.


He, Raien...das tut weh.“, murmelte Yaiiri. Ihr Bruder ließ sie los und schmunzelte.

Tut mir Leid, ein Anfall von besonderer Liebesbedürftigkeit.“ Er kicherte und löste sich von ihr, dann fuhr er sich mit beiden Händen über sein Gesicht.

Dir fehlt Schlaf...du siehst auch sehr müde aus.“

Ich bin nicht-...“, versuchte Raien zu widersprechen, Yaiiri jedoch legte ihm einen Zeigefinger auf seine weichen Lippen und schüttelte den Kopf.

Sie legte Raien ihre zweite Hand auf die Brust und drückte ihn sanft zurück in die Kissen, dann erhob sie ihre klare Stimme zu einem leisen Summen.

Gehorsam legte sich Raien zurück und schloss die Augen. Er liebte den Klang ihrer Stimme, die weich und melodisch klang und die Macht besaß, den Zuhörer regelrecht in eine andere Welt zu versetzen.

Die Lieder die Yaiiri sang waren unterschiedlich, und reichten von alten Kinderlieder bis hin zu eigenen.

 

"In den Tiefen dieser Dunkelheit bin ich gefangen
Verflochten mit viel Kummer und Schmerz
Jenes kalte Mondlicht umspielt meine Traurigkeit
Die ich an jedem Tag verspür..."

Yairii ließ sich vom Bett gleiten und zog die Decke über Raien, der gleichmäßig atmend bereits schlief. Sie machte eine kleine Pause und ließ dann ihre Stimme sacht ausklingen, bis sie kaum mehr zu hören war. Bevor sie die Zimmertür leise hinter sich schloss, warf sie noch einen kurzen Blick zurück.






Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung