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Erinnerungen

Lanthalon gähnte und ließ sich auf seiner notdürftigen Hängematte zurückfallen. Es war spät in der Nacht, doch er konnte nicht wirklich Schlaf finden. Ruhelos stand er auf, starrte zur Tür des heruntergekommenen Gasthauses und kräuselte die Nase wegen des fauligen Gestankes, der von unten heraufzog. Seine Geschäfte hatten ihn länger festgehalten als er gedacht hatte, und so war er gezwungen gewesen eine weitere Nacht in Dalaran zu bleiben.

Aber nur noch eine, sagte er sich. Denn er wusste nicht genau was er von dem Treffen mit Sariri und dessen Ende halten sollte.

Während er darüber nachdachte bemerkte er, dass er sich vor seinen Rucksack gesetzt hatte und darin herumwühlte.

Würde Sariri Themes bescheid geben?

Was würde passieren wenn sie hier auftauchte und ihn sah?

Würde er seine Entscheidung bereuen? Und würde sie ihm dann verzeihen?

Wirre Gedanken spukten in seinem Kopf herum und er musste energisch den Kopf schütteln um sie fortzujagen.

Er würde weg sein, bevor die beiden hier ankommen konnten.

Nickend sah er nach unten, wo seine Finger über ein sorgfältig geschnürtes Päckchen Briefe glitten. Er musste automatisch Lächeln.

Themes Briefe…

Er öffnete die zu einer Schleife geformte Schnur und löste die damit gehaltenen Briefe. Einige davon waren sorgfältig geschriebene und verschickte Briefe, bei anderen handelte es sich um Notizzettel. Oben auf lag das Plakat, das ein Bild von Lanthalon zeigte.

Er fuhr mit einem Finger die Handschrift nach und legte das Plakat dann weg, entschieden nicht mehr darüber nachzudenken.

Als er die Briefe gerade wieder verpacken wollte, rutschte einer davon aus dem Stapel und fiel in seinen Schoß. Lanthalon griff danach, öffnete ihn vorsichtig und zog das längere, beschriftete Pergament hervor.

Er musste Schmunzeln als er die ersten Zeilen überflog, denn er kannte diesen Brief nur zu gut. Er hatte in ungefähr hundert Mal gelesen, nachdem er Themes Hals über Kopf verlassen hatte, um einem zweitrangigen Auftrag nachzugehen.

Den Kopf schief gelegt und die Zunge zwischen die Lippen geklemmt las er weiter. Sein Grinsen wurde breiter, als er zu den Zeilen kam die ihn besonders amüsierten.

„Irgendwie passieren immer komische Dinge, wenn ich ein Kleid anhabe.“, zitierte er leise und ein Kichern kam über seine Lippen.

Er dachte an den Abend zurück, als er Themes das Tanzen beigebracht hatte. Sie hatten einen klassischen Partnertanz ausgewählt, und dazu einen ruhigen Platz außerhalb von Darnassus.

Lanthalon legte den Kopf in den Nacken und seufzte.

Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie begeistert sie von der kleinen Spieluhr war, die er von Enadiz bekommen hatte.

Vielleicht sollte ich ihr die Spieluhr schenken, als…Andenken. Er verwarf diese Idee gleich wieder. Das würde Themes nicht glücklicher machen.

Dennoch war es ein schöner Abend gewesen, damals. Und womöglich auch der Beginn ihrer komplizierten Beziehung.

Lanthalon summte leise die Melodie der Spieluhr, und bemerkte es selbst nicht denn er war bereits wieder tief in seiner Erinnerung drin.

Eins vor, eins links – zurück und eins Rechts… Der Takt des Tanzes. Er spürte wie Themes ihm auf den Fuß trat und musste Grinsen. Sie hatte sich tausend Mal entschuldigt. Aber er musste zugeben das sie äußert schnell gelernt hatte mit seinem Körper zu harmonieren. Selbst den Tempounterschied hatte sie gut hinbekommen.

Ein Lächeln streifte seine Lippen, als er daran denken musste wie nah sie bei ihm gewesen war. Er erinnerte sich noch an ihren Duft, das Gefühl ihrer Hände auf seinem Körper, und das Gefühl ihrer Haut unter seinen.

Am intensivsten fühlte sich die Erinnerung an einer ganz besonderen Stelle an. Kurz vor Ende ihrer Tanzstunde, als sie ihn zurückhielt und ihm das Zeichen gab, langsamer zu tanzen. Er gehorchte und verlangsamte sein Tempo, schob sie ein wenig näher zu sich heran, bis seine Lippen nur noch wenige Zentimeter neben ihrem Ohr waren.

Selbst wenn er noch mehr Beherrschung besessen hätte, in diesem Moment hätte sie ihm nichts genützt.

Er hatte Themes gemocht, ja, vielleicht war er damals schon „verliebt“ gewesen, wenn er solch ein Wort überhaupt noch in den Mund nahm. Sie hatte etwas, das in faszinierte, und das er wollte.

So hatte sich Lanthalon einfach zu ihr hingezogen gefühlt, und ihm war nicht anderes übrig geblieben als ihr näher zu kommen. Näher als die wenigen Zentimeter, die ihm in diesem Moment noch gefehlt hatten.

Also hatte er sie geküsst. Wenn er fest die Augen schloss und sich erinnerte, meinte er sogar noch den Geschmack ihrer Haut zu erkennen, als er ihr Ohr geküsst hatte. Auch wenn er es kaum berührt hatte. Er hörte sogar noch ihr überraschtes Quietschen, das ihn heute eher belustigte. Damals fand er es hinreißend, und es hatte ihn ermutigt mehr zu wollen.

Der anschließende Kuss der beiden viel harmlos aus, denn Lanthalon besaß genug Feingefühl um sie nicht zu überfallen.

Allerdings besaß er nicht genug Beherrschung, um danach weiter mit ihr zu tanzen. Sie hatten sich eilig voneinander gelöst und waren, in mehr oder minder betroffenem Schweigen, aufgebrochen. Danach hatte er übereilt den Auftrag Aleena’s angenommen und war verschwunden.

Lanthalon saß schmunzelnd auf dem dreckigen Boden des offenen Zimmers und überlegte, ob es vielleicht anders gekommen wäre wenn er damals nicht nachgegeben hätte.

Er seufzte, steckte den Brief zurück in das Kuvert und verstaute das Päckchen gesammelter Briefe wieder in seinem Rucksack.

Nichts weiter als Erinnerungen.

Er glitt zurück in seine Hängematte und zog die Decke über sich. Als er die Augen schloss und sich auf die Seite drehte, musste er energisch das letzte Bild von Themes verscheuchen, das sich in sein Gedächtnis eingebrannt hatte.

Themes, die mit traurigem, verlorenem Blick neben ihm saß.

Themes, wie Njalda sie ihm gezeigt hatte.

25.1.09 13:17
 


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