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Der Geruch von Blut

Dae saß gelangweilt in den Katakomben der riesigen Kathedrale, eingesperrt in einem Hort aus Licht und Verständnis – ihr war immer noch ziemlich übel.

Sie strich sich die verfilzten Haare aus der Stirn, die sie unsauber mit einem Dolch abgeschnitten hatte.

Grayson saß vor einem in die Wand eingelassenen Kamin, indem ein kleines Feuer hilflos versuchte, gegen die eisige Kälte im Raum anzukämpfen. Immer wieder kippte der Kopf des Paladins auf seine Brust und er gab ein leises Grummeln von sich. Seid vier Tagen saßen sie hier, darauf wartend, welche Aufgabe der König Dae zuteilen würde. Vier Tage ohne Schlaf, denn weder Dae, noch Grayson trauten sich einen Moment unaufmerksam zu sein.

Vier weitere Paladine patrouillierten vor der Tür und dem oberen Gang zu ihrem Raum – keiner von ihnen wagte jedoch einen Blick hinein.

Es klopfte an der hölzernen Tür und Grayson schrak zusammen.

„J-Ja? Was gibt es!“, tönte seine Stimme durch den kahlen Raum.

Dae öffnete nicht ihre Augen, sog aber leise die Luft durch ihre Nase ein und erschauerte.

„Lord Grayson, wir benötigen draußen dringend Eure Hilfe.“ Es entstand eine kleine Pause während der sich Grayson Schattenbruch aus seinem Sessel aufrappelte und zur Tür stapfte. Er öffnete sie langsam und steckte seinen Kopf durch einen winzigen Spalt.

„Ihr wisst dass ich nicht zur Verfügung stehe!“, fluchte er.

Dae stöhnte unterdrückt, als ihr der aufkommende Blutgeruch in die Nase stieg, der durch den Türspalt hineinsickerte.

„Hunger…“ Das war Ashkandian. Seine Stimme pochte in ihrem Kopf – wieder und wieder.

Sie erhob sich mechanisch von ihrem Sitz.

„Ruft einen der Priester zu Hilfe.“, knurrte Grayson und knallte die Tür zu. „Verschließt die Tür wieder und dann geht!“

Er wandte sich mit prüfendem Blick der Todesritterin zu.

„Nichts Besonderes. Setzt Euch wieder, Schwarzseele.“

Dae hörte seine Stimme nur dumpf zwischen Ashkandians leisem Summen. Sie schritt weiter auf die Tür und den Paladin zu, der augenblicklich seine Aura verstärkte.

„Kennt ihr…den Fluch…der Ritter?“, hauchte Dae leise, Schritt für Schritt brachte sie eines der Wörter über ihre Lippen. Ihr Blick hing starr an der hölzernen Tür.

Grayson schluckte.

„Wollt Ihr mir nun einen Schwank aus Eurer Jugend erzählen, Schwarzseele?“, versuchte er zu spotten.

„War…das da draußen…der Geruch…von Blut?“ Sie funkelte ihn hungrig an – ein Schaudern überlief den Paladin.

Welch grausamer Blick… Dachte er und rezitierte im Geist einige schützende Zauber.

Dae war nun knapp vor seiner Aura, ihre schwarzen Fänge strichen wie hungrige Raubtiere am Rande seines Lichts entlang und drangen hier und da vorsichtig in das gleißende Gold.

„Das ist nicht Eure Sache, Schwarzseele. Setzt Euch wieder.“ Seine bemüht ruhige Stimme zitterte leicht.

Dae schloß die flackernden Augen und sog die Luft noch einmal ein.

„Angst….Schmerz….Blut…“, keuchte sie leise.

„Wir haben Hunger…“ Ein eisiger Wind fegte durch den Raum.

Grayson erschauerte und schickte ein Gebet an das Licht, der Boden unter ihm begann golden zu schimmern.

„Ihr werdet diese Linie nicht überschreiten, Todesritter.“, warnte der Paladin.

Immer noch ihre Augen geschlossen glitt ihre rechte Hand an den Griff des mächtigen Zweihänders auf ihrem Rücken.

In einer fließenden Bewegung schwang sie die Runenklinge von ihrem Rücken, über ihren Kopf und in die Richtung des Paladins. Ihr nächster Schritt nach vorn brachte sie auf den geweihten Boden. Schmerz brannte in ihrem Gesicht, doch der nächste Schritt folgte.

Grayson wich dem ersten, unwirschen Schlag aus. Dae zischte und begann ihren Tanz zum leisen Summen Ashkandians.

Grayson bewegte sich ausweichend mit ihr mit, auf eine Gelegenheit wartend sie außer Gefecht zu setzen.

Seine Aura des Licht versetzte ihr immer wieder einige Schläge, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Eine schwarze Peitsche ihrer Aura lechzte nach seinem Fußknöchel und brachte den Paladin zum straucheln- Dae’s Chance – Ashkandian gab den Befehl und Runenklinge und Meisterin schnellten in einer tödlichen Bewegung vor.

„Wir dürfen nicht!“, Dae brachte die Wörter über ihre zusammengepressten Lippen.

„Wir müssen töten!“ Schrie Ashkandian ihr entgegen.

„Wir…töten…alle!“ Seine Melodie wurde lauter.

Dae taumelte zur Seite, dann ließ sie die verfluchte Klinge mit Wucht gegen die hölzerne Tür sausen und diese wegfegen. Es splitterte und Bruchstücke der Tür flogen in alle Richtungen.

„Schwarzseele!“ Grayson’s Kampfschrei wurde von Ashkandian’s Gesang verschluckt.

Dae’s Blut rauschte in ihren Adern, das Herz schlug den Takt zum Todesgesang ihres Schwertes.

„Mörder…“

Dae stürmte aus dem Raum, den dunklen Gang hinauf ...hinauf in die Kathedrale des Lichts. Grayson rannte hinter ihr her, er versuchte mit Flüchen, Schlägen und den Strahlen seines Lichts die Todesritterin aufzuhalten.

Die Paladine der Kathedrale und einige Priester die den Lärm gehört hatten versperrten Dae den Aufstieg in die große Halle der Kathedrale.

„Treibt sie in den anderen Gang!“, schrieen sie sich hektisch zu und beschworen gleißende Wände aus Licht. Dae wich aus – nach rechts – geradeaus – nach links – immer weiter hinab in die dunklen, wirren Gänge des Labyrinths unter Sturmwind. Grayson war ihr dicht auf den Fersen.

„Opfer…“, sang Ashkandian dringlicher.

„Ihr könnt nicht entkommen!“, keuchte Grayson hinter ihr. Seine Plattenrüstung war nicht für derartige Verfolgungsjagden gemacht.

Dae rannte – floh, vor Ashkandian’s Gesang der ihren Blutdurst bis an die schmerzhafte Grenze drängte. Sie kämpfte um das letzte bisschen Beherrschung.

Sie durfte nicht angreifen, und damit die wacklige Allianz in Stücke schlagen.

Sie durfte nicht versagen.

Endlich – ein Lichtpunkt am Ende des Ganges auf den Dae zuhechtete.

Ashkandian’s Griff brannte wie Feuer in ihrer Handfläche, der unbefriedigte Ruf der Klinge nach Blut.

Dae erreichte den Ausgang des Ganges und der kühle Mond tauchte sie in ein unheimliches Licht.

Ashkandian gab ihr die Richtung an – rechts – rechts – knapp hinter den Mauern auf einer Anhöhe …die Diebe des Syndikats kannten den Schatten der den Hand hinaufschoß und in ihre Reihen sprengte.

Schreie.

Ashkandian schrie und erhob seine Stimme zu einer noch eindringlicheren Melodie.

Panik.

Dae gab sich der Runenklinge hin, ihre Augen geschlossen folgte ihr Körper dem Instinkt der Klinge.

Ihr Tanz begann.

Dae’S Körper bewegte sich Rhythmisch in Ashkandian’s Melodie, zuckte durch die Körper ihrer Gegner die hektisch und völlig sinnlos versuchten sich zu verteidigen.

Blut.

Ashkandian genoss den Geschmack des Todes.

Leid.

Dae sog die mit Angst getränkte Luft ein.

Schmerz.

Sie standen inmitten der Leichen von mindestens zwanzig Banditen, allesamt verstümmelt und kaum mehr als Menschen identifizierbar.

Dae öffnete langsam ihre Augen – ein erleichtertes Seufzen glitt über ihre Lippen während sie auf die Knie sank.

Ashkandian vollendete das Ritual. Begleitet von Dae’s gellendem Schrei sang die Runenklinge die letzten Zeilen seines Verderbnisbringenden Liedes.

 

Grayson stand hilflos am Fuße des Steilhanges. Sein Blick starr auf die tanzende Elfe und ihre Klinge gerichtet – fasziniert und gleichzeitig angewidert von ihrer tödlichen Anmut und Präzision.

„Wir wissen nichts...“, flüsterte er leise und mit vor Schreck aufgerissenen Augen.

Trotz seiner Abscheu brachte er seine Füße in Bewegung.

Sie war ein Monster, dachte er immer wieder.

Mörder.

Abscheuliches Biest.

Er erreichte Dae und blieb knapp hinter ihr stehen. Seinen Hammer auf sie gerichtet umfing sein Licht ihren Körper. Er konnte die letzten grausamen Worte des Liedes hören und erzitterte…

Dae hob ihren Kopf und sah ihn aus satt-blau flackernden Augen an. Sie kam ihm vor wie berauscht, wie ein betrunkener Mann der sich seinem Alkohol hingegeben hatte.

„Kommt mit.“ Grayson war selbst über die Festigkeit seiner Stimme überrascht.

Dae bewegte sich nicht.

„Kommt mit“, wiederholte er strenger. Er hob sie mit seinem Licht an und half ihr auf.

Die Todesritterin wankte bedrohlich, dennoch stieß er sie Schritt für Schritt in den Gang, zurück in den Raum unter der Kathedrale. Zurück in ihr Gefängnis, in das sie gehörte.

Abscheu spiegelte sich in seinem Blick wieder, als er dieses Experiment der Geißel auf den Sessel im unteren Raum der Katakomben zurückdrängte.

Dae ließ sich erschöpft fallen, zog die Beine an die Brust und legte ihre Stirn auf die Knie.

Sie sieht aus wie ein Kind. Wie grausam…

Angewidert betrachtete er die hilflos aussehende Elfe.

Sie hat mich nicht getötet. Welch grausam zerrüttete Persönlichkeit.

Er orderte eine Gruppe Paladine an sie streng zu bewachen, dann ging er in seine eigene Kammer. Er brauchte nun Schlaf, damit er sie besser bewachen konnte.

Doch er fand nur einen unruhigen Schlaf, in dessen Träumen ihn immer wieder eine Frage quälte:


Was wäre passiert,

wenn sie mitten auf dem Marktplatz „explodiert“ wäre?

6.12.08 11:57
 


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